Wie wäre es, wenn wir ca. 40 Prozent mehr Knete in der Tasche hätten?


[ Zauberspiegel Wissenschaft Ideenfabrik ]


Geschrieben von Hans T. am 01. August 2001 16:07:19:

Hi,

Laut einem vor einigen Jahren erschienenen Buch des Systemanalysten Helmut Creutz sind in jeder Mark, die wir ausgeben, mindestens 40 Pfennig Zins enthalten.

Wenn es also den Zins nicht gäbe...

- Könnten wir 40 % mehr kaufen (weil die Preise entsprechend niedriger wären)
- Oder wir hätten bei gleicher Kaufkraft 40% mehr Zeit für andere Dinge
- oder eine Mischform aus beidem.

Aber natürlich ist der Zins unumgänglich! Den gab's ja schon immer und ohne den geht es sowieso nicht.

Ja, wofür brauchen wir denn denn Zins?

Wenn es den Zins nicht gäbe...

- würden wir überschüssiges Geld, das wir nicht gleich ausgeben oder sparen, nur auf einem Girokonto (oder im Sparstrumpf) parken, statt es auf ein Sparkonto oder vergleichbare Anlage zu tun

- dann würde dieses Geld liegenbleiben und könnte über das Bankensystem nicht wieder als Kredit weitergegeben werden

- dann würde das "tatenlos rumliegende" nicht wieder in den Geldkreislauf zurückfliessende Geld auch nicht als Nachfrage wirksam und nicht mithelfen, die Wirtschaft am Laufen zu halten

- dann hätten wir durch weniger Nachfrage auch weniger Umsatz (und sinkende Preise) und durch weniger Umsatz auch weniger Rentabilität und durch weniger Rentabilität auch weniger Arbeitsplätze und durch weniger Arbeitsplätze auch weniger Nachfrage.

- Den Kreislauf von sinkender Nachfrage, sinkenden Preisen und Umsatz nennt man Deflation.

- Die Deflation Anfang der 30er Jahre und die daraus entstandene Not der Bevölkerung führte letztlich zum Aufstieg einer neuen Diktatur.

Das wollen wir natürlich nicht.

Darum brauchen wir den Zins. Er ist der Anreiz dafür, Geld über das Bankensystem wieder in den Kreislauf zu speisen, damit es seine Arbeit als Tauschmittel verrichten kann.

Also brauchen wir den Zins als Mechanismus, um ein Horten des Geldes zu verhindern und den Kreislauf in Gang zu halten.

Und jetzt die Preisfrage:

Ist dies NUR über den Zins denkbar oder kann man sich auch Alternativen vorstellen?

Der Sozialreformer Silvio Gesell und auf ihn aufbauende Autoren sagen ja. War im erfolgreichen Experiment im östereichischen Ort Wörgl 1930/31 noch eine Gebühr auf den Besitz von Geld durch ein monatliches Freistempeln der Geldscheine ein wirkungsvoller Anreiz (Das Geld schlug sich etwa 300 mal pro Jahr um), das Geld möglichst schnell weiterzugeben, so sind heute im Zeitalter der Computer regelmässige oder unregelmässige Abwertungen von Giroguthaben, gebührenpflichtite Umtauschaktionen von Bargeld durchaus möglich.

Gebühr auf Geld ist für die Meisten von uns zunächst mal ein sehr abschreckender Gedanke.

Jedoch sollt man sich vergegenwärtigen, dass der Zins dann überflüssig wäre, denn jedermann würde mit Freuden überschüssige Kapitalien zinsfrei weitergeben, um das Abschlagsrisiko zu meiden. Der Zins könnte gegen Null tendieren.

Meine Frage an Euch:

Was spricht dagegen?

gruss
Hans





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